Implantatakupunktur

 

Die Implantatakupunktur ist ein noch relativ junges Verfahren in der Akupunktur. Erste Beschreibung des Verfahrens war 1999.

Das Prinzip der Implantatakupunktur basiert auf der sog. Aurikolotherapie, also der Ohrakupunktur.

Die Ohrakupunktur besteht auf einem Konzept des französischen Arztes Paul Nogier, der in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts dieses Prinzip beschrieben hat. Dabei spiegelt sich der gesamte Körper im Ohr wider, wodurch alle Körperregionen über das Ohr behandelt werden können, d.h. durch Punktion sog. Reflexpunkte kann direkter Einfluss auf innere Organe genommen werden. Diese Methode erreichte auch China und wurde dort mit weiterentwickelt.

Bei der Implantatakupunktur werden nun im Gegensatz zur klassischen Akupunktur, wo die Nadeln immer nur für kurze Zeit an einem Reizpunkt verbleiben, winzige Nadeln unter die Haut eingepflanzt und verbleiben dort. Dabei gibt es Titanimplantate die sich nicht auflösen und sog. Templantate, die sich in verschiedenen Zeitspannen wieder auflösen. Dadurch entsteht am Ort der Implantation ein zeitlich definierter Dauerreiz.

Die Wirkung der Ohrakupunktur basiert auf einer Beeinflussung von segmentalen Verschaltungen und Modulation auf verschiedenen Ebenen des Zentralnervensystems. Außerdem fördert sie die Ausschüttung zentraler Botenstoffe und Hormone. Somit wird der Organismus angeregt, Körperfunktionen zu regulieren, Störungen zu kompensieren und Selbstheilungsprozesse in Gang zu setzen.

Die Implantatakupunktur stellt einen minimalinvasiven chirurgischen Eingriff dar. Er wird unter sterilen Bedingungen ambulant durchgeführt. Die Nadel wird mittels eines Applikators ins Ohr implantiert. Die Nadel wächst dann innerhalb weniger Tage vollends in die Haut ein. Ob man dabei auflösbare Templantate verwendet oder beständige Titanimplantate hängt von der zugrunde liegenden Krankheit, also der Indikation ab.

Die Indikation für Implantatakupunktur ist weit gestreut, grundsätzlich können akute und chronische Erkrankungen behandelt werden.

Aufgrund der Dauerstimulation, die mit der Implantatakupunktur erreicht wird, bieten sich natürlich chronische Erkrankungen zuallererst an.

Besonders chronische Schmerzzustände eignen sich sehr gut. Aber auch chronische neurologische Erkrankungen sind eine gut dokumentierte Indikation. Hier ist besonders der Morbus Parkinson (Schüttellähmung) und das restless-legs-Syndrom (unruhige Beine) zu erwähnen. Die Anwendung der Implantatakupunktur bei diesem Krankheitsbild ist sehr gut untersucht. Auch Depressionen können mit Implantatakupunktur angegangen werden.

Ein weiteres Feld sind Suchterkrankungen wie Rauchen, Alkohol etc.) einschließlich Adipositas. Hier kann die Implantatakupunktur als unterstützende Maßnahme eingesetzt werden.

Es gibt aber auch Indikationen im Bereich der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, z.B. Tinnitus, im Bereich der Inneren Medizin, z.B. Hypertonie, und Urologie, z.B. Reizblase und chronische Cystitis.

Letztlich kann die Implantatakupunktur überall da eingesetzt werden, wo die Ohrakupunktur indiziert ist.

Leider ist es derzeit noch so, dass die Krankenkassen die Implantatakupunktur nicht übernehmen, es gibt einzelne Berichte, dass die Akupunktur ersetzt wird, nicht aber die Sachkosten. Diese sind höher als bei der klassischen Akupunktur. Andere Berichte sagen, dass teils die Sachkosten ersetzt werden, aber nicht die Akupunktur. Derzeit ist es überwiegend eine Selbstzahlerleistung.